Atrocity & Haggard 22.2.1998 Essen
Zeche Carl
Nun endlich die Headlinertour von Atrocity zur Werk 80 Scheibe, welche genau
konträr zur Suporttour mit Rage Ende letzten Jahres lief. Haben Atrocity
damals für eine Band mit Klassikorchester eröffnet, war es heute
genau umgekehrt. Opener sollte Haggard sein, welche ebenfalls ein ganzes
Klassikensemble mitbringen plus einen Backingchor. Jedoch sind das im Falle
Haggard alles feste Mitglieder, die mit ihrem ganzen Herzblut hinter der
Sache stehen und auf die Bandleader Asis bauen kann. Selbstverständlich
spielten Haggard nur Stücke ihres Debut-Albums, welches bei Serenade
erschienen ist. Man merkt deutlich, daß die Stücke von vorneherein
darauf ausgelegt waren, mit dieser Instrumentierung realisiert zu werden.
Auch wurden zwei kurze reine Klassikstücke vorgestellt, die völlig
ohne die typischen Metalinstrumente auskamen. Den Triumph, welchen Haggard
feierten, war für eine Vorband ohnegleichen. Bei dem vom Rock Hard Sampler
bekannten Stück (In a pale moons shadow) sang das Publikum sogar
lauthals mit. Obwohl der Zeitplan es eigentlich nicht zuließ, eine
Zugabe zu spielen, verlangte das Publikum danach. Auf die Einwände des
Sängers hin, Atrocity wollen auch auf die Bühne, wurde Unmut im
Publikum laut. Zu groß war die Sucht nach den genialen Stücken
dieser Metal-Big-Band (Immerhin 16 Mitglieder!) Nach einigem Zögern
wurde dann einer Zugabe zugestimmt. So kam das Publikum nochmal in den
Genuß, den Rock Hard Song zu hören. Wenn dieses Konzert kein
Glückstreffer für Haggard war, dann weiß ich auch nicht.
Dem gesamten Ensemble war jedenfalls die Ergriffenheit anzumerken, mit der
sie auf der Bühne standen. Nach einer durchschnittlich langen Umbaupause
kamen dann (die zuvor noch verschmähten) Atrocity auf die Bühne
und legten direkt mit einer Tanzshow los. Über die Bühne fegten
zwei Tänzerinnen, die in sündigem Lack und Leder gekleidet waren.
Ich weiß zwar nicht genau, was Lack und Leder mit den Hits der 80er
Jahre gemeinsam haben, aber der Mehrzahl der männlichen Besucher hat
es wohl gefallen. Einigen wohl zu gut, da man etliche Pärchen beobachten
konnte, wo sie mit einem stinkigen Gesichtsausdruck vorlief und er leicht
betröppelt hinterher eilte. Atrocity indes ließen nichts anbrennen,
und feuerten einen Werk 80 Hit nach dem anderen auf ihr Publikum. Fast alle
Songs dieses Albums wurden gebracht inklusive der beiden Bonustracks Verschwende
deine Jugend und Deutschmaschine. Vom alten Atrocitymaterial wurde nur sporadisch
etwas gespielt, so wie das wohl unvermeindliche Blut. Prominente
Unterstützung erhielt Krulle durch seine Berufskollegin und
Lebensgefährtin Liv Kristine, die auch auf dem Album mitgewirkt hatte.
Sie veredelte auch Live die Songs, die einer weiblichen Veredelung
bedürften. Fakt ist, das die Werk 80 Tour ein riesiger Erfolg für
Atrocity war, aber nun wird es langsam Zeit, mal wieder ein reguläres
Album aufzunehmen, da Werk 80 schon die dritte außer der Reihe Scheibe
nacheinander war. Wenn jetzt noch ein Livealbum und eine Best of herrauskommt,
dürfte das ein neuer Rekord sein. Außerdem bleibe ich dabei, das
Wild Boys von Duran Duran im Orginal härter war als die Atrocityfassung
und das entäuscht mich doch ein wenig. RS