
Dream Child-Interview mit Sänger
Gérard
So langsam tut sich auch bei unseren Nachbarn wieder richtig was in Sachen Metal. Nachdem die Italie-ner einen wahren Sturm auf die traditionellen Metalländer losgetreten haben, schließen sich nun langsam auch die Freunde jenseits des Rheins an. Mit Dream Child reiht sich eine weitere Band in die Phalanx der wieder erstarkten Power/Melodic-Fraktion. Die Band veröffentlichte Anfang des Jahres mit " Reaching the golden Gates " ihr Zweitwerk über MetalBlade und konnte mehr, als nur auf sich aufmerksam machen. Sänger Gérard berichtet, wie es dazu kam, damit wir einen solchen Leckerbissen überhaupt unseren Ohren zuführen können.
Dominique und Alain spielten seit 1987/88 in verschiedenen französischen Bands. Als ich Dominique kennen lernte war er noch bei einer Band namens Nightmare, welche sich jedoch bald darauf auflöste. Er kontaktierte dann Alain und ca. ein Jahr später fanden sie einen geeigneten Bassisten. Sie versuchten anschließend in der Gegend einen Sänger zu finden, was ihnen jedoch nicht gelang. Glücklicherweise traf ich die Jungs auf einer Party im Mai 1990, einen Monat später habe ich dann entschieden bei den Jungs einzusteigen und so war Dream Child geboren. Wir hatten in der Folgezeit laufend Ärger mit unse-ren Bassisten, bis wir 1995 mit Sylvain endlich den Richtigen gefunden hatten. Er ist der siebte Lang-holzbearbeiter seither. In den Jahren 1992 und 1994 haben wir trotz aller Probleme zwei Demos veröf-fentlicht, die weltweit in der Presse hervorragend ankamen. 1994 konnten wir dann bei dem französi-schen Label NSR einen Deal ergattern. Das Label besitzt ein 24-Spur-Aufnahmestudio im südlichen Frankreich und dort konnten wir endlich mal unter einigermaßen professionellen Bedingungen unser Debüt aufnehmen. Aus verschiedenen Gründen, wie zum Beispiel die Gepflogenheiten des Business, dem Remix etc., wurde das Album dann erst 1996 über Brennus released. Brennus ist die Metal Division des französischen MUSEA-Labels. Auch hier waren die Kritiken aus Frankreich, Italien und Japan wieder sehr gut. Da die Leute von Brennus jedoch keine Profis waren, wurde das Album auch sonst nirgends veröffentlicht. Wir entschieden dann zusammen mit NSR ein neues Album zu machen. Die Aufnahmen begannen im Juli 1997 und dauerten bis Mitte August. Im November nahmen wir dann noch einige Ver-besserungen auf. Das Ergebnis machte uns immer noch nicht zufrieden, so dass wir bis Mai 1998 einige Remixes vornahmen. Tja und jetzt kommt das Teil eben über MetalBlade in eure Player.
Eure Musik ist sehr melodieorientiert und besitzt auch progressive Elemente. Wen würdet ihr als die wichtigsten Einflüsse für eure Musik bezeichnen?
Ich als Sänger wurde sehr stark beeinflusst von Musikern wie Geoff Tate, Ian Gillan, Rob Halford, Bruce Dickinson, die großen Helden also. Nicht zu vergessen Carl Albert (R.I.P), David Coverdale und Glenn Hughes. Bei den anderen ist es im Wesentlichen auch so, dass sie jeweils von Leuten beeinflusst wur-den, die auch die Instrumente spielen, wie sie selbst. Bei Dominique quasi die Leute, bei denen meine Vorbilder gesungen haben, George Lynch, Glenn Tipton, Yngwie Malmsteen, Nomo von Trust. Insge-samt kannst du sagen, das die Band durch Judas Priest, den frühen Queensryche, Iron Maiden, Savata-ge und Vicious Rumors mit Carl Albert beeinflusst wurde.
Seid ihr mit den bisherigen Reaktionen auf das neue Album zufrieden?
Im Augenblick können wir uns wirklich nicht beschweren. Ich würde sagen, dass so 95 % der Reviews sehr positiv sind. Das freut uns umso mehr, als derzeit wirklich sehr viele Alben herauskommen, die in die ähnliche Richtung gehen, wie unseres. Wir hätten schließlich in der derzeitigen Veröffentlichungsflut auch untergehen können. Glücklicherweise sehen es die Journalisten nicht so, dass wir auf einen derzeit populären Zug aufspringen. Dazu sind wir auch schon zu lange dabei. Von der Fanbasis haben wir bisher nur aus Frankreich ein Feed-back. Die dortigen Metalfans stehen wirklich hinter uns, auch wenn einige am Anfang das Debüt besser fanden. Seit sie " Reaching the golden gates" jedoch mehrmals gehört haben, bevorzugen sie es eindeutig. Am besten kommt die Tatsache an, dass unsere Musik zwar etwas komplex, aber auch sehr heavy und melodiös ist. Wie wir vernommen haben, sind auch MetalBlade bisher mit den Reaktionen sehr zufrieden.
Wie kam es überhaupt zu dem Deal bei MetalBlade?
Im Januar 1998 traf ich Brian Slagel und Tracy Vera in Cannes. Ich gab den Jungs unser Debüt und eine Demo-CD mit, die fünf Songs vom neuen Album enthielt. Sie waren sofort begeistert und beeindruckt. Kurze Zeit darauf erhielten wir dann auch Post aus den Staaten. Wir nahmen das Angebot dann im Frühjahr 1998 an. Ich muss zugeben wir waren erfreut und auch überrascht über die rasche Reaktion seitens MetalBlade. Es ist einfach großartig bei einem Label zu sein, welches selbst Teil der Metal-Geschichte ist. Es macht stolz auf einem Label zu sein, wo so exzellente Bands wie Fates Warning, Armored Saint, Kings X und Labyrinth sind bzw. waren.
Wenn man sich das Booklet so anschaut und die Lyrics liest, kommt man auf den Gedanken, bei "Re-aching the golden Gates" handelt es sich um ein Konzeptalbum ....
Nein, es ist kein Konzeptalbum, aber es besitzt einfach einen roten Faden. Es geht zumeist darum, zu versuchen, deine Träume zu verwirklichen. Es geht darum deinen Weg zu gehen, zum Beispiel auf uns bezogen, einen Deal bei MetalBlade zu bekommen und immer an deine Stärke zu glauben. Alles was man macht, von Herzen zu tun und niemals faul zu werden. Das Debüt handelte stärker von sozialkriti-schen Themen, die durch Sciencefiction-Storys ausgedrückt wurden. Das neue Album ist eher fantasyla-stig und behandelt persönliche Erfahrungen. Wir wollen uns jedoch nicht selbst begrenzen, so dass es sein kann, dass das nächste Album, von den Texten her, wieder ganz anders ist. Wir werden jedoch niemals eine politische Band sein, es reicht uns, die Augen und das Bewusstsein unserer Hörer ein biss-chen zu öffnen.
Wie entwickelt sich die französische Metalszene denn zurzeit? Besteht Hoffnung, dass sie - ähnlich wie die italienische- so hervorragende Bands hervorbringt?
Ich muss zugeben, dass wir von der italienischen Szene sehr beeindruckt sind. Schließlich hat sie so geniale Bands wie Labyrinth, Rhapsody und Athena hervorgebracht. Bei uns läuft es auch langsam wie-der etwas besser, wobei die meisten Bands noch nicht die Qualität besitzen, wie zum Beispiel die italie-nischen oder deutschen. Das liegt auch daran, dass es in Italien und Deutschland zwischenzeitlich we-sentlich professionellere Labels und Strukturen gibt, als bei uns. In letzter Zeit sind mit Manigance, Dys-lesia, Hammadryade und Headline jedoch auch bei uns einige gute Bands entstanden. Wichtig ist für uns als Band aber, die Leidenschaft zu behalten und keinen Trends zu folgen. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch gefährlich, wenn auf einmal eine Flut von Bands bekannt wird und tonnenweise CDs auf den Markt kommen. Es wird dann umso schwerer, einzigartig zu bleiben. Wenn jede Band wie eine Ko-pie einer anderen klingt, wird dies auch in der Weise auf den Metal zurückschlagen, dass das Interesse der Fans wieder schwinden wird.
Welche Verantwortung siehst du hier bei den Labels?
Die Labels besitzen eine große Verantwortung dafür, wie sich ein Musikstil entwickelt. Dabei ist jedoch sicher, dass sich deren Geschäftspolitik wohl nie ändern wird. Sie werden immer Trends folgen, alleine deshalb um in einem wirklich umkämpften Markt zu überleben. Ich muss zugeben, dass dieses Verhalten aber auch uns zu Gute kam, denn wir machen seit Beginn die gleiche Musik und niemand hat sich dafür interessiert. Jetzt als der Melodic-Metal wieder anfängt zurückzukehren haben wir durch diese Entwick-lung schließlich auch einen Deal bekommen.
Wie sieht es bei euch tourmäßig aus? Gibt es Planungen?
Ja, wir versuchen gerade auf eine Tour zu kommen. Auch die Jungs von MetalBlade arbeiten daran. Es ist aber nicht einfach das Richtige zu finden. Es gibt daher noch nichts konkretes. Wir nutzen deshalb die Zeit und haben schon einige, richtig "ass-kicking"-Songs geschrieben. Ende des Jahres wollen wir ein weiteres Album aufnehmen, welches dann im Frühjahr 2000 auf den Markt kommen soll.
Da will ich mal hoffen, dass sich tourmäßig bei den Jungs was tut. Verdient haben sie's auf jeden Fall.